1/4 – Verlust, Schmerz, Trauer, Enttäuschung – Anerkennung

Du bist enttäuscht, weil du eine Verabredung hattest, die leider kurzfristig abgesagt wurde.
Du hattest dich sehr auf dieses Treffen und die Begegnung gefreut. Nun bist du traurig, weil es doch nicht geklappt hat.

Du hast für eine wichtige Prüfung wie ein Ochse gebüffelt und nun eine „schlechte“ Note dafür bekommen.
Du bist enttäuscht von dir selbst und traurig, dass du nicht die Leistung erzielt hast, die du dir eigentlich als Ziel gesteckt hattest.

Einem guten Freund geht es schlecht.
Du siehst wie er leidet und fühlst dich hilflos.
Du bist traurig und fühlst seinen Schmerz wie deinen eigenen, du leidest wirklich mit und fühlst dich machtlos, weil du ihm nicht so helfen kannst wie du es gerne tun würdest.

Dein Hund ist gestorben.
Du hattest ihn seitdem du ein kleines Kind warst und bist mit ihm groß geworden. Er war dir ein treuer Begleiter und stets an deiner Seite. Der Verlust liegt dir schwer auf dem Herzen und du bist unendlich traurig, dass er nun nicht mehr da ist.

Was haben all diese Situationen gemeinsam?
Enttäuschung, Schmerz und Trauer sind Gefühle, die dein Seelenleben nun beschäftigen. Du fühlst dich unwohl und irgendwie belasten dich diese Gefühle. Sie erfüllen dich mit einer Schwere und Melancholie und färben alles Gute irgendwie dunkel und negativ.

1. Schritt: Anerkennung
Die Spezies „Mensch“ neigt immer mehr dazu Gefühle wie Trauer, Schmerz und Enttäuschung als etwas „Böses“ oder „Schlechtes“ zu empfinden. Der Mensch hat zu funktionieren. Die Gesellschaft lehrt uns, dass solch vermeintlich negativen Gefühle unerwünscht sind.

Halt! Stopp!
Wer sagt uns, dass Gefühle wie Trauer, Schmerz und Enttäuschung „schlecht“ und „böse“ sind?
Wir nehmen solch schweren Gefühlen schon eine Menge Macht, indem wir anfangen sie als Gefühle anzuerkennen.

Anerkennung:
Trauer, Schmerz und Enttäuschung sind auch nur Gefühle wie z.B. Hunger oder Müdigkeit.
Indem du anfängst, diese Gefühle als etwas Natürliches und Stinknormales anzusehen, nimmst du ihnen schon ein Stück ihrer (negativen) Energie.
Du gibst dir und diesen Gefühlen die Berechtigung, dass ihre Existenz in deinem Seelenhaus nicht bloß „okay“, sondern das Normalste der Welt ist.

Anerkennung kann einer der ersten Schritte sein, um eine gute Grundlage für einen hilfreichen Umgang mit Gefühlen wie diesen zu schaffen.

©lini23061995

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19 Gedanken zu “1/4 – Verlust, Schmerz, Trauer, Enttäuschung – Anerkennung

  1. Da gebe ich Dir sowas von Recht.
    Was ich bedenklich finde ist, dass neuerdings eine Trauer (über den Verlust einer nahestehenden Person), die länger als zwei Wochen dauert, eine behandlungsbedürftige Erkrankung sein soll. Früher gab es noch das sogenannte Trauerjahr.

    Gefällt 5 Personen

      1. Aber wahr, so wie es aussieht.
        Und wohl auch gut für die Pharmakonzerne, weil man dann Pillen verschreiben kann. Und die Ärzte können natürlich auch was abrechnen, wenn sie eine Diagnose stellen.

        Gefällt 1 Person

    1. Ein Trauerjahr, in dem ein Mensch weniger leistet, weil er ja mit seiner Trauer beschäftigt ist, ist ineffizient, wirtschafts- und wachstumsschädlich. Desshalb haben Wirtschaftsbosse und ihre Diener, die Politiker, ein wehementes Interesse an einer Trauerverkürzung und Trauerökonomisierung.

      Vereinfacht ausgedrückt:
      Wer es nicht hinkriegt nach 14 Tagen wieder volle Leistung zu bringen, der ist krank, bzw. wird von Politik und Wirtschaft(sbossen) mit Hilfe von bestellten und von ihnen bezahlten Studien als krank definiert UND dem Gesundheitssystem zugeführt, wo man mit der Behandlung der „Trauerkrankheit“ richtig viel Geld mit Psychopharmaka und mit Psychosomatischen Kliniken verdienen kann.

      So wird gesellschaftliche Empathie, die früher ganz selbstverständlich bei Betroffenen und ihrem Umfeld ganz selbstverständlich war, ökonomisiert und in ein Geschäftsmodell verwandelt.
      Wir empfinden das dann als Beschleunigung der Dinge! Früher war die Empathie der Mitmenschen der Therapeut und das Psychopharmaka für den Trauernden und das gabs aus Nächstenliebe und um sonst.

      Jeder hat die Freiheit sich dem Diktat der Effizienzsteigerung, des „alternativlosen“ Wachstums und der Ökonomisierung unserer privaten Lebensbereiche zu entziehen und die Dinge zu Leben, die einem wichtig sind. Es mag sein, dass das auf Kosten des HABENs geht. Es wird aber das SEIN mit Sicherheit stärken und die wenigen Nutznießer der Ökonomisierung schwächen.
      Die Wirtschaft sollte sich den Bedürfnissen der Menschen unterordnen, nicht die Menschen den Bedürfnissen der Wirtschaft.

      Ich bin für die Wiedereinführung des Trauerjahrs! 😉 Gut das das jeder immer noch selbst entscheiden kann.

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      1. Leider ist das kein Wahnsinn, sonden bittere Realität.
        Ich weis wovon ich rede. Ich habe 20 Jahre mit der Entwicklung und Optimierung von Geschäftsmodellen und deren Implementierung meine Brötchen verdient. Immer wenn ich glaubte, ich sei mit dem niederträchtigsten Geschäftsmodell der Menscheit konfrontiert worden, da fand sich noch einer, der noch eines oben drauf setzte.

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  2. Ich folge ja noch nicht so lange deinem Blog, aber irgendwie hat es mich total irritiert, Prosa von dir zu lesen 😀
    Aber mal zum Inhalt: toller Gedankengang! Anerkennen und Annehmen ist in vielen Fällen die bessere Einstellung. Schön, so einen Reminder zu lesen!

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  3. Ich finde sehr schön, was und wie du das beschrieben hast.
    Gefühle wie Enttäuschung, Trauer und Schmerz gehören zu einem -gesunden- Leben dazu. Sie helfen Gefühle zu verarbeiten und sollten auch nicht unterdrückt werden. Freude und Trauer sollten sich auf lange Sicht die Waage halten, dann ist das Leben im Gleichgewicht.

    Gefällt 2 Personen

  4. Liebe Lini,
    ich finde es schön und wertvoll, solche Themen miteinander zu teilen. Danke!
    Anerkennen und Annehmen aller Gefühle ist manchmal eine Herausforderung, und IMMER HILFREICH , finde ich, um mit sich selbst in Frieden zu sein. Und das gibt ja schließlich Kraft.
    Und zum Thema Trauer: Ich meine, jedes Gefühl braucht die ihm eigene Zeit, da steht es keinem zu, zu beurteilen, wieviel Trauer „gesund“ ist, und ab wann sie „ungesund“ wird. Jede/r fühlt wie es sein Gemüt zulässt – und das kann nur mit Liebe angenommen werden, wenn es sich gut weiterentwickeln will…
    Vielen Dank für deine Gedanken-Anregungen sagt dir mit lieben Grüßen
    MarINa

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  5. Ich schließe mich Deinem Beitrag an. Diese Gefühle sind wichtig für uns – ohne Grund sind sie nicht da. Verdrängen oder sie negativ betrachten bringt gar nichts. Nur wenn wir sie annehmen, sie auch mal leben und raus lassen – dann können wir sie verarbeiten und kommen wieder ein Stück weiter voran 🙂

    Den Trend zur sofortigen Therapie oder dass Ärzte gleich mal harte Antidepressiva verschreiben finde ich sehr bedenklich. Aus eigener, schmerzlicher Erfahrung. Warum dürfen wir uns nicht mit unseren Gefühlen auseinandersetzen? Auch mal länger traurig sein? Wenn es zu lange anhält oder dramatische Auswirkungen annimmt, ja, dann schon. Alles andere ist doch aber ganz natürlich.

    Liebe Grüße

    Gefällt 2 Personen

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