Die Angst vor dem Glück

In Anlehnung an dieses Bild möchte ich einfach einmal ein paar Gedanken loswerden.

Ich bin auf einem guten Weg, aber allzu oft noch stelle ich mir die Frage, ob und wann ich an diesen Punkt kommen werde, an dem ich sagen kann „Ich bin frei, ich bin losgelöst, ich fliege, fliege, fliege, immer höher, immer weiter, weil ich glücklich, rundum glücklich bin“.
Gerade jetzt, wo ich diese Zeilen schreibe, habe ich bereits wieder einen dicken Kloß im Hals und Tränen in den Augen. Ich wünsche mir dieses Gefühl sehnlichst herbei, bin auch oft schon nah dran, spüre wie diese zarten Wurzeln dieses Gefühls sich in meinem Herzen festsetzen wollen. Nur meistens, sorge ich mich viel zu wenig darum, dass diese zarten Wurzeln gedeihen, die kleinen, unscheinbaren Knospen dieser Blüte zu einer alles übertreffenen Schönheit von Blume heranwachsen können. Es ist noch nicht mal so, dass ich mich nicht darum sorge, viel mehr ist es so, dass ich diese kleinen Knospen selbst kaputt stampfe, aus Angst davor, zu welcher Schönheit sie gedeihen könnten. Das klingt ziemlich banal oder?
Ich meine, jeder Mensch hat doch irgendwie und irgendwo das Ziel im Leben glücklich zu sein, sein persönliches, indivduelles Glück zu finden, es zu wahren, daran festzuhalten, es weiter aufzubauen, ihm Raum zum Leben zu verschaffen.
Natürlich habe ich auch dieses Ziel, es ist mein größter Wunsch und ich arbeite wirklich hart an dem, was ich dafür tun kann, damit es so ist.

Und trotzdem ist eine meiner größten Ängste, dieses Gefühl zuzulassen.
Warum das so ist?
Ich glaube, weil ich die Lektion des Lebens bereits lernen musste, dass Glück ein so zerbrechliches, so vergängliches, so leicht zu zerstörendes Gut ist.
Ich habe Angst davor, glücklich zu sein.
Angst davor, was passiert, wenn ich wirklich und wahrhaftig glücklich bin.
Ich habe Angst, dass ich gedankenlos und leichtsinnig werde.
Ich habe Angst davor, glücklich zu sein.
Denn ich muss leider sagen, dass ich allzu oft daran erinnert wurde, dass das Glück, kostbar und wertvoll wie es ist, nicht beständig und fortwährend ist.
Und immer dann, wenn sich der Flügelschlag meines Glücks zu einem kräftigen, auftreibenden und in die Lüfte tragenden Auftrieb entwickelt hat, hat das Schicksal oder welche höhere Macht auch immer dafür gesorgt, das ich aus einer Höhe abgestürzt bin, aus der es bereits weh tat. Eine Höhe, die mir jedes Mal eine Verletzung hinzugefügt hat, von der ich mich nicht allzu schnell erholen konnte. Einen Schmerz, der bis heute immer mal wieder zurückkommt und mich vor der Gefahr und dem Risko des Glücks warnt, so dass mein Verstand, meine Vernunft mich jedes Mal, sobald sich jetzt das Gefühl vollkommener Glückseligkeit einstellen möchte, daran erinnert, dass Glück gefährlich ist.
Passend dazu eine Liedzeile: „The higher you get, the lower you sink“
Umso höher dich das Glücksgefühl trägt, desto tiefer ist nachher der Fall.
Ich weiß, dass dies eine ziemlich pessimistische und negative Sicht auf das Leben ist und das ist gewiss nicht meine Art, das Leben auf diese Art und Weise zu betrachten.
Aber ich glaube, tief in mir drin, sind das mögliche Gründe, dieses vollkommene Glück nicht wirklich zulassen zu können.
Weil einfach so viel passiert ist in meinem bisherigen Leben, was sich tief, so tief in mein Herz eingebrannt hat, was meine sowieso schon nachdenkliche und vorsichtige Art in mancherlei Hinsicht vielleicht noch verstärkt hat.

Ich habe Angst davor, glücklich zu sein und wünsche es mir doch so sehr. Ich bin unsicher, ob mir dies je gelingen wird, weil mich zu viel daran erinnert, wie vergänglich, wie brutal, wie hässlich und gemein, hart und unfair das Leben sein kann.
Und momentan sind glaube ich alle meine Sinne darauf gerichtet, mein Herz mit diesen Rissen zu schützen, zu behüten, darauf Acht zu geben, dass diese Risse heilen können und ihnen nicht noch weiterer Schaden zu gefügt werden kann.
Und damit dies nicht geschieht, hat die Seele die Erfindung geboren, Mauern zu bauen. Ich weiß um diese Mauern, ich will sie nicht zu hoch werden lassen, bin aber auch noch nicht bereit, sie ganz nieder zu reißen.
Und das werde ich machen müssen, um dem allumfassenden Glück Eintritt in mein Leben zu gewähren.

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