Die Selbstverständlichkeit der Existenz unserer Mitmenschen

In den letzten Tagen ist mir wieder einmal bewusst geworden, dass wir den Menschen, die uns wirklich wichtig sind, viel zu selten genau das auch sagen.

Viel zu oft sehen wir die Beziehungen zu unseren Mitmenschen als etwas Selbstverständliches an und vergessen darüber hinaus, dass die Existenz unseres menschlichen Daseins, als diese wie wir sie kennen, zeitlich begrenzt und nicht für die Ewigkeit ist.

Warum also sollten wir denen, die wir lieben, die wir schätzen, die uns als Vorbilder dienen, die uns eine Stütze in den tagtäglichen Irrtümern des Lebens sind, nicht auch genau das sagen?

Kleine Aufmerksamkeiten, liebe Worte, eine Umarmung, all das sind doch die Dinge, mit denen wir unseren Mitmenschen genau das signalisieren können:

>DU BIST EIN WUNDERBARER MENSCH. DANKE, DASS ES DICH GIBT UND DASS GENAU DU IN MEINEM LEBEN BIST.<<

Ich selbst merke immer wieder, was für ein unfassbar erfüllendes Gefühl genau so eine Botschaft von einem Menschen sein kann, der eine Bedeutung in meinem Leben für mich spielt.

Gerade weil das Leben allzu oft von einer nicht mit Worten zu beschreibenden Unbeständigkeit geprägt ist, Menschen in dein Leben treten und genauso schnell und fluchtartig wieder daraus verschwinden können, ist es doch wie Balsam für die Seele den Menschen in unserem Leben, die eine besondere Art der Wichtigkeit spielen, auch genau das viel mehr und viel öfter mit Wertschätzung entgegen zu bringen.

>DU BIST MIR WICHTIG. ICH DANKE DIR FÜR DEINE FREUNDSCHAFT. DU BRINGST MICH ZUM LACHEN. ICH GENIEßE DIE ZEIT MIT DIR. DANKE, DASS DU MIR ZUHÖRST UND MIR MIT RAT UND TAT ZUR SEITE STEHST. DANKE, DASS ES DICH GIBT.<<

Worte sind nur ein einziges Mittel von vielen, mit denen wir unseren Mitmenschen genau das zeigen können:

>>Es ist schön, dass es genau DICH gibt und du an meinem Leben teilhaben möchtest.<<

©lini23061995

Schmerz verlangt gespürt zu werden

„Schmerz verlangt gespürt zu werden“.
-> Diese einfache und dennoch so wahre Weisheit stammt aus einem meiner Lieblingsbücher/Lieblingsfilme (The Fault In Our Stars / Das Schicksal ist ein mieser Verräter).

Und in den letzten Jahren habe ich immer wieder gefühlt, wie wahr diese Worte doch sind.
Es ist wirklich so, Schmerz verlangt gespürt zu werden, in all seinen Facetten.

Und ihr kennt es wahrscheinlich selbst und wisst, wie facettenreich Schmerz sein kann.
Fangen wir an mit körperlichen Schmerzen. Die kennt jeder von uns. Wenn der Schmerz in irgendwelchen Körperteilen von uns sitzt, pocht und zieht und sich auf unangenehme Art und Weise bemerkbar macht. Schmerz bedeutet Krankheit, Krankheit bedeutet Schmerz. Oftmals verschaffen uns Schmerzmittel, Medikamente etwas Linderung, überdecken die Wucht und die Intensität des Schmerzes. Je nach Krankheitsgrad kann der Schmerz auch wieder von uns weichen, oder aber ein Leben lang an uns haften und uns mit seiner Existenz an unsere Gebrechlichkeit, unsere Einschränkungen, ja wohlmöglich an unsere Schwäche erinnern.
Aber das ist nicht die Art Schmerz, von der ich hier erzählen möchte.

Vielmehr möchte ich von dem Schmerz berichten, der unser Herz, unsere Seele zerfressen will, hungrig nach all der Sehnsucht und all der Hoffnung, die diese bewohnen.

Schmerz verlangt gespürt zu werden, auch seelischer Schmerz.

Jeder von euch wird auch diese Art von Schmerz kennen, kein Mensch dieser irdischen Welt wird davon verschont bleiben – denn wir sind Menschen, die Träger der Emotionen und Gefühle.

Seelischer Schmerz will ebenso gespürt werden wie körperlicher Schmerz. Er klammert sich an die verletzbaren Orte und Seiten unserer emotionalen Gefühlswelt, will sich dort einnisten, will ebenso bemerkt werden wie jedes andere menschliche wahrnehmbare Gefühl.
Ich glaube, jeder Mensch hat eine andere Definition von Schmerz. Jeder Mensch gibt seinem Schmerz eine andere Gestalt, ein anderes Gesicht.

Meine Defintion von seelischem Schmerz:

Wir treten tagtäglich in zwischenmenschliche Beziehungen, legen unsere mühsam aufgebauten seelischen Schutzschilder immer wieder ab, geben somit anderen Menschen, die der gleichen Emotionen und Gefühle bemächtigt sind wie wir, eine Angriffsfläche. Mit Ablegen dieses Schutzschildes, machen wir uns verwundbar, verletzlich. Wir tragen anderen Menschen Erwartungen entgegen, setzen bewusst oder unbewusst Hoffnungen in sie, die nicht immer erfüllt werden können.
Hoffnungen/Erwartungen-Erfüllung oder Enttäuschung.
Wenn eben diese Erfüllung nicht in Kraft tritt und stattdessen die Woge der Enttäuschung über uns schwabbt, uns mit sich reißt, haben wir oftmals das Gefühl in diesem Ozean der Enttäuschung zu ertrinken.
Für mich bedeuten Enttäuschung, verletzte Gefühle, seelischen Schmerz. Es ist unvermeidbar, verletzt zu werden. Ich glaube, das Problem ist nur, wenn man in dieser Welt der Maxime, immer größer, immer schneller, immer stärker, ein vielleicht nicht ganz so robustes Fell hat, Schmerz anders spürbar ist. Sensible Menschen haben sensiblere Antennen, sensiblere Fühler, spüren intensiver, tiefer. Gut und schlecht zugleich.

Für mich bedeutet seelischer Schmerz darüber hinaus, Verlust und Trauer, vielleicht auch eine gewisse Einsamkeit, weil man in seinem Schmerz ganz einfach eben oft alleine ist.
Der Verlust eines geliebten Menschen, so behaupte ich, löst in jedem Menschen dieser Welt, seelischen Schmerz aus. Menschen, denen man seine Liebe entgegenbringt, öffnet man sich. Man gibt ihnen ein Stück, einen Teil von sich, schenkt ihnen etwas Kostbares seinerseits. Und wenn eben diese Menschen dich dann verlassen, vielleicht weil sie sterben, vielleicht weil sie bewusst keinen Kontakt mehr zu dir haben wollen, reißen sie dann oftmals den Teil deines Innenlebens aus dir heraus, den du ihnen zuvor aus Liebe geschenkt hast. Auch das ist unvermeidbar. Menschen sterben, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde, immer. Menschen verlassen dich, jeden Tag. jede Stunde, jede Minute, jede Sekunde, immer und immer wieder.

Aber trotzdem, verlangt der Schmerz gespürt zu werden.
Wir alle kennen diesen Schmerz, wir alle fühlen ihn auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Wie erlebt ihr Schmerz? Wo sitzt er bei euch? Und was macht er mit euch?

©lini23061995

Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft

Ich frage mich, was es so schwer macht, heute im Hier und Jetzt zu leben. Ich meine, dies ist der Tag, der so, wie er hier und jetzt und heute geschieht, für uns nie wieder zu erleben sein wird.
Was macht es uns so schwer, den heutigen Tag zu unserem vielleicht besten Tag zu machen? Dies ist mein Tag. Mein Tag, den ich nur heute, nur hier und jetzt, nur einmal leben kann.
Und doch gibt es immer wieder Dinge, Erinnerungen, die uns zurückwerfen, die es schwer machen in der Gegenwart zu leben. Loslassen. Das was war, liegt nicht mehr in meiner Macht. Das was war, ist jetzt vorbei, zuende.
Fluch und Segen zugleich.
Wenn uns etwas Schreckliches widerfahren ist, wünschen wir uns doch nichts sehnlicher, als dass dieser Tag vorbei geht. Wir warten auf eine bessere Zeit, auf die Befreiung aus unserem Leid.
Wenn wir vor Glück schäumen, es uns aus allen Körperöffnungen heraus sprudelt, wollen wir die Zeit am liebsten anhalten, für immer in diesem einen Moment leben, das Glück nie wieder gehen lassen.
Wir vergessen viel zu oft, dass all das nicht in unserer Macht liegt. Die Einzige, die Macht über uns hat, ist die Zeit. Denn sie steht uns allen nur in begrenzter Form zur Verfügung.
Was macht es uns also so schwer, den einzigen Zeitpunkt, über den wir eine gewisse Macht haben, mitzubestimmen? Die Zeit macht uns das Geschenk, zumindest über die Gegenwart ein Mitspracherecht zu haben.
Und doch halten wir immer und immer wieder die Hand der Vergangenheit fest, klammern uns an sie wie an einen Rettungsring. Und nicht nur die Hand der Vergangenheit wird von uns festgehalten, wir strecken doch ebenso schon die Hand der Zukunft entgegen, wollen auch sie festhalten. Wir planen, organisieren, leben im Morgen. Vielleicht können wir die Zukunft auch ein Stück weit mitbestimmen, mitgestalten, aber letztlich gehört sie einer Zeit an, in der wir noch gar nicht leben. Wir leben im Gestern, wir leben im Morgen. Wir leben in Zeiten, die entweder längst der Vergangenheit angehören, oder in Zeiten, die uns erst in der Zukunft erwarten.

Höchstwahrscheinlich haben wir nur dieses eine Leben, hier und jetzt und heute. Warum also können wir so wenig in dieser Zeit, in unserer Zeit leben? Was hält uns davon ab, diese eine Zeit, die nur uns gehört, auch zu der Unseren zu machen? Ich lebe nur hier, nur jetzt, nur heute.

©lini23061995